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RB #008 Risikobeurteilung – Andere Methoden zur Risikobeurteilung

RB #008 Risikobeurteilung – Andere Methoden Zur Risikobeurteilung

Andere Methoden zur Risikobeurteilung

Ein herzliches Willkommen an alle neuen und alten Zuhörer dieses Podcasts rund um die Risikobeurteilung und CE-Kennzeichnung. Mein Name ist Florian Seckinger und ich arbeite bei der GFT Akademie in der Technischen Dokumentation.

Für alle die heute das erste Mal in diese Reihe einschalten, empfehle ich Ihnen auch die anderen Folgen dieser Serie um die Risikobeurteilung anzuhören. Darin gehe ich auf die Grundlagen sowie die Voraussetzungen und ersten Schritte einer Risikobeurteilung ein.

Nachdem der Ablauf der Aufgabenbezogenen Risikobeurteilung mit der letzten Folge geendet hat, komme ich in dieser Folge zu einem kurzen Überblick über andere Methoden der Risikobeurteilung.

In der Praxis haben sich diverse Methoden entwickelt, die nebeneinander mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen präsent sind.

Ebenfalls möchte ich in dieser Folge kurz das Thema Risikobeurteilung bei unvollständigen Maschinen behandeln.

Kommen wir zuerst aber zu dem Überblick über andere Methoden der Risikobeurteilung und unserem ersten Beispiel.

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FMEA Methode zur Risikobeurteilung

Die FMEA Methode oder auch als Failure Mode and Effects Analysis bekannt, zu Deutsch also Fehlermöglichkeits- und –einflussanalyse ist eine analytische Methode zur Bewertung von Produktfehlern.

Die FMEA Methode ist sehr ähnlich wie die aufgabenbezogenen Risikobeurteilung, die wir in den letzten Folgen behandelt haben.

Zuerst werden in dieser Methode Lebensphasen und Arbeitsschritte auf mögliche Fehler untersucht. Dann werden die möglichen Folgen und die Ursachen des Fehlers ermittelt.

Anschließend schätzt man das Risiko dieser Fehler nach ihrer Bedeutung, der Wahrscheinlichkeit des Auftretens und ihrer Entdeckungswahrscheinlichkeit ein. Diese Faktoren sind im Bezug auf die aufgabenbezogenen Risikobeurteilung gleichzusetzen mit der Schwere der Auswirkungen wie Verletzungen, die Häufigkeit des Auftretens eines Risikos und die Möglichkeit die Gefahr zu erkennen und selbstständig zu meiden.

Ist das Risiko abgeschätzt, können mittels der FMEA ebenfalls Maßnahmen zur Risikominderung überlegt werden, die die Auswirkungen des ermittelten Fehlers mindern oder begrenzen. Abschließend kann als optionaler Schritt das Risiko erneut eingeschätzt werden, um den Erfolg der Maßnahme zu bewerten.

Der Vorteil der FMEA Methode ist die freie Wahl des Detailierungsgrades der Untersuchung des Produktes. Das bedeutet dass Ergebnisse einer Analyse in weiteren Untersuchungen als Ausgangsinformationen verwendet werden können. So können Fehlerbetrachtungen immer tiefer verschachtelt werden, um möglichst detaillierte Betrachtungen des Produktes zu erlauben. Dies macht die FMEA zu einer guten Methode für die Untersuchung von Baugruppen, Bauteilen, Funktionen und Prozessen.

Der Nachteil einer so detaillierten Betrachtungsmethode ist sicher der hohe Zeit- und Personalaufwand, jedoch hat sich die FMEA in der Wirtschaft bewährt und ist zu einem Standard in der Risikobeurteilung geworden.

Risikobeurteilung nach HAZOP

Eine weitere Methode zur Risikobeurteilung ist die Methode nach HAZOP. Diese Methode eignet sich für die Untersuchung von kontinuierlichen Prozessen wie Maschinen, die überwiegend automatisch arbeiten. Diese als Gefährdungs- und Betreibbarkeitsuntersuchung bekannte Methode oder auch im englischen als Hazard and Operability Study kurz HAZOP arbeitet mit vordefinierten Leitwörtern. Diese Worte wie zu gering oder zu hoch beschreiben denkbare Abweichungen von der gewünschten Funktion des Produkte.

Von der Vorgehensweise bei der Risikobeurteilung nach HAZOP verläuft diese Methode recht linear. Zuerst wird das System definiert mit allen Abläufen und Funktionen.

Dann werden relevante Ziele und Fragen bestimmt, die mit der HAZOP Methode erläutert werden sollen. Ziele können sein, dass eine Bedienersicherheit für Personen erreicht wird, Umweltauswirkungen zu ermitteln oder dass eine gewisse Zuverlässigkeit im Betrieb des Produktes erreicht wird.

Die zu betrachtende Maschine oder Anlage muss in sinnvolle Betrachtungseinheiten unterteilt werden, da die Leitworte sich nicht gut auf komplexe Sachverhalte anwenden lassen. Deswegen sollten Einzelfunktionen, Prozessschritte oder einzelne Tätigkeiten in verschiedenen Lebensphasen als Betrachtungseinheiten herhalten.

Nun bestimmt man die vorher erwähnten Leitworte, die sich auf die Betrachtungseinheiten anwenden lassen und untersucht das Produkt auf mögliche Abweichungen.

Auftretende Abweichungen untersucht man hinsichtlich deren Ursachen und Auswirkungen. Die Maßnahmen um das Auftreten der Abweichung zu verhindern oder zu entschärfen, werden in der Untersuchung ebenfalls mit eingeschlossen und dokumentiert.

HAZOP lässt sich in den frühen Phasen der Entwicklung und Konstruktion kaum einsetzen, da Funktionen und Bestandteile der Maschine bereits recht eindeutig definiert sein müssen. Dies schränkt den Einsatzbereich dieser Methode für die Risikobeurteilung stark ein.

Brainstorming

Die Brainstorming Methode ist eine nicht ganz so strukturierte Methode zur Findung von Risiken. Dabei diskutieren Fachleute aus unterschiedlichen Richtungen offen über potenzielle Gefährdungen. Dabei ist es empfehlenswert die Fachleute aus den unterschiedlichen Bereichen auszuwählen wie bspw. Steuerungstechnik, Verfahrenstechnik, Sicherheitstechnik, Servicebereich oder Maschinenanwender.

Die Diskussion wird von einem Gesprächsleiter bzw. Moderator geführt, der die Ergebnisse festhält. Er kann zudem die Diskussion sanft in die richtige Richtung lenken wie bspw. entlang einer Lebensphase der Maschine. Innerhalb eines vorher definierten Zeitfensters wird über das zu betrachtende Produkt diskutiert. Im Anschluss gibt es noch ein wenig extra Zeit, um die Ergebnisse zu wiederholen.

Diese Methode eignet sich gut als Vorbereitung für eine formelle Risikobeurteilung und liefert bereits im Vorfeld wichtige Erkenntnisse und Ergebnisse, die dann in der richtigen Risikobeurteilung eingebettet werden kann.

Ein Nachteil dieser Methode ist, dass gemessen an dem Ergebnis relativ viel Zeit in diese Methode investiert werden muss. Dies lässt die Methode zuerst unwirtschaftlich erscheinen. Aber gerade bei neuen Produkten kann diese Vorgehensweise Ergebnisse liefern, die mit einer formellen Methode nicht gefunden werden können. Die Brainstorming Methode sollte aber immer mit einer anderen Risikobeurteilungsmethode kombiniert werden, damit keine Gefährdungen übersehen werden.

Fehlerbaumanalyse

Als eine weitere Methode zur Risikobeurteilung ist noch die Fehlerbaumanalyse zu nennen. Diese Methode zur Risikobeurteilung unterscheidet sich in seiner Durchführung von den bisherigen Methoden. Mögliche Risiken werden in Form von einer Baumstruktur dokumentiert.

Jedes unerwünschte Hauptereignis bekommt einem eigenen Fehlerbaum. Das Hauptereignis definiert die Spitze der Baumstruktur. Hauptereignisse können Funktionsausfälle sein oder deren Auswirkungen wie beispielsweise Unfälle.

So könnte ein Unfall an der Maschine wie die Verletzung des Maschinenbedieners an einer Messereinheit als Hauptereignis untersucht werden. Darunter ordnet man die ermittelten Ursachen und Ausfallarten an. Jede dieser Ursachen bzw. Ausfallarten kann weiter untersucht werden, um der Ursache des Hauptereignisses weiter auf den Grund zu gehen.

Mögliche Ursachen in dem Beispiel können dann sein, dass der Sensor der Schutzhaube vor der Messereinheit versagt hat oder dieser missbräuchlich überbrückt wurde.

Hat beispielsweise der Sensor versagt, kann man diese Ursache weiter verfolgen. Liegt das Problem an einem defekten Sensor oder ist der Sensor zu nahe an der Gefahrenquelle platziert, so dass die Maschine die Messereinheit nicht rechtzeitig stoppen kann, wenn der Bediener in die Maschine greift?

Ein Vorteil dieser Methode ist die grafische Darstellung als Baumstruktur, welche sich gut eignet um Wirkungszusammenhänge verständlich abzubilden. Die tiefe Betrachtung eines Ereignisses erlaubt zudem die genaue Komponente zu ermitteln, welche für das Ereignis verantwortlich ist und die es zu optimieren bzw. erneuern gilt.

Ein Nachteil hingegen ist, dass jedes Hauptereignis seinen eigenen Fehlerbaum hat, was einen hohen Zeit- und Ressourcenaufwand bedeutet für das Betrachten aller Ereignisse. Auch betrachtet man nur bekannte Ereignisse, was bedeutet das unbekannte Fehler bzw. Ereignisse nicht untersuchbar sind.

Dies sind für den Moment genügend Beispiele von anderen Methoden in der Risikobeurteilung.

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Risikobeurteilung bei unvollständige Maschinen

Kommen wir nun zu dem Thema Risikobeurteilung bei unvollständige Maschinen. Alleine schon mit der Definition was eine unvollständige Maschine ist, könnte man eine ganze Podcast Folge füllen. Ich möchte mich hier aber nicht näher damit befassen, sondern mich auf die Risikobeurteilung konzentrieren.

Die Maschinenrichtlinien schreibt auch im Falle von unvollständigen Maschinen vor, wie diese in Bezug auf eine Risikobeurteilung handzuhaben sind.

Zwar bedarf es keiner CE-Kennzeichnung nach der Maschinenrichtlinie um eine unvollständige Maschine in Verkehr zu bringen, jedoch ist eine Einbauerklärung und eine Montageanleitung für die unvollständige Maschinen vorzulegen.

Zu den vorzulegenden Unterlagen für die Einbauerklärung zählt laut der Maschinenrichtlinie unter anderem auch die Unterlagen zur Risikobeurteilung.

Zumal ist es wichtig, alle Restrisiken der unvollständigen Maschine zu kennen. Sind nämlich aus der Risikobeurteilung etwaige Restrisiken bekannt, die auch außerhalb der Montage in eine vollständige Maschine auftreten können, muss der Hersteller der unvollständigen Maschine davor entsprechend warnen, am besten in Form einer Betriebsanleitung mit allen erforderlichen Warnhinweisen.

Oftmals ist es in der Risikobeurteilung für unvollständige Maschinen so, dass viele Risiken nur in Zusammenspiel mit anderen Maschinenteilen gemindert werden können. Die Entscheidung für Schutzmaßnahmen liegt dann nicht unbedingt beim Hersteller der unvollständigen Maschine. Es bietet sich für solche Risiken an, in der Risikobeurteilung entsprechende Hinweise in der Dokumentation zu hinterlegen, dass derjenige der die unvollständige Maschine in Betrieb nimmt, auch einen sicheren Betrieb gewährleisten muss.

Wir sind am Ende dieser Podcast Folge angekommen. Ich hoffe Ihnen hat diese Folge gefallen. In diesem Fall würde ich mich freuen, wenn Sie in den Bewertungen eine positive Rezension verfassen könnten.

Sollten Sie noch Fragen oder Anregungen zu weiteren Themen haben, schreiben Sie sie in die Kommentare oder senden Sie sie uns diese per E-Mail an info@gft-akademie.de zu. Wir freuen uns über jede Rückmeldung.

Ich bedanke mich bei Ihnen für das Zuhören bei diesem Podcast zur Risikobeurteilung und wünsche Ihnen bis zum nächsten Mal alles Gute. Ich freue mich, wenn Sie dann auch wieder einschalten.

Ich wünsche Ihnen bis dahin eine gute Zeit…auf ein baldiges Wiederhören

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