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DD #19 „Cybersecurity und Technische Dokumentation – Warum Redaktionen digitale Sicherheit mitdenken müssen

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Cybersecurity – viele in der Technischen Redaktion denken dabei zuerst an Firewalls, Verschlüsselungen oder Penetration Tests. Dinge, die „irgendwo in der IT passieren“.

Aber stellen Sie sich vor: Sie öffnen Ihr Redaktionssystem, um die neueste Betriebsanleitung fertigzustellen. Gleichzeitig kommunizieren Maschinen in der Werkhalle über Cloud-Dienste, Service-Tools greifen online auf Steuerungen zu, und bald muss jede Maschine einen digitalen Produktpass liefern. Plötzlich sind Ihre Handbücher, Anleitungen oder Serviceinformationen potenzielle Angriffsflächen, wenn sie nicht strukturiert, klassifiziert und geschützt sind.

Die Leitfrage dieser Folge lautet also: Welche Rolle spielt die Technische Dokumentation, wenn Maschinen digital angreifbar werden – und welche Chancen eröffnen sich daraus für Redaktionen?

Und ein weiteres Thema gewinnt immer mehr an Relevanz: der Cyber Resilience Act (CRA). Er schreibt Herstellerpflichten für digitale Produkte fest – auch für Maschinen – und betrifft damit direkt die Dokumentation. Wir werden im Verlauf der Folge zeigen, was das konkret für die Technische Redaktion bedeutet.

Warum Cybersecurity die Technische Dokumentation betrifft

Der Maschinenbau ist längst digital. Maschinen sind vernetzt, liefern Daten in digitale Zwillinge, werden remote gewartet und müssen ihre Sicherheitsparameter kontinuierlich überwachen.

In diesem Umfeld wird die Technische Dokumentation zu einem integralen Bestandteil der Cybersecurity. Informationen aus der Redaktion enthalten nicht nur Bedienanleitungen, sondern auch Parameter, Wartungsintervalle und Prüfschritte – Daten, die von Angreifern potenziell ausgenutzt werden könnten.

Typische Risiken sind hierbei:

  • Zu detaillierte Serviceanleitungen, die sensible Informationen enthalten
  • Veröffentlichung von Passwörtern, IP-Adressen oder Netzwerkparametern in Anleitungen
  • Öffentlich zugängliche Dokumente ohne Zugriffsbeschränkung

Die Kernaussage ist klar: Dokumentation ist Teil der Angriffsfläche.

Wenn man den Blick auf die Inhalte der Technischen Redaktion richtet, zeigt sich schnell: Cybersecurity ist kein abstraktes IT-Thema, es begegnet uns in fast jedem Dokument, das wir erstellen.

Konkrete Berührungspunkte zwischen Cybersecurity und Dokumentation

Zunächst betrifft das Betriebsanleitungen. Sie sind das Herzstück der Kommunikation zwischen Maschine und Bediener. Hier geht es nicht nur um die Frage, wie ein Knopf gedrückt wird oder welche Wartungsschritte erforderlich sind. Für Redaktionen relevant ist, dass Betriebsanleitungen zunehmend digitale Schnittstellen dokumentieren. In einer modernen vernetzten Maschine finden sich Hinweise auf Software-Updates, Netzwerkverbindungen oder Schnittstellen, über die Daten an den digitalen Zwilling oder ins Serviceportal fließen. Wenn solche Informationen ungeschützt veröffentlicht werden, eröffnen sie Angriffsflächen. Deshalb müssen Redaktionen bewusst abwägen, welche Informationen öffentlich zugänglich sind und welche nur autorisierten Technikern zur Verfügung stehen.

Ein weiterer Berührungspunkt sind Service- und Wartungsdokumente. Die Technische Redaktion erstellt Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Wartung, Kalibrierung oder Fehlerbehebung. Oft enthalten diese Anleitungen Referenzen auf Steuerparameter, Reset-Funktionen oder Konfigurationsoptionen. Jede dieser Angaben ist für einen Servicetechniker lebenswichtig – gleichzeitig kann sie in falschen Händen zu Sicherheitsrisiken führen. Daher müssen Redaktionen hier nicht nur auf Verständlichkeit achten, sondern auch Sensibilitäten einplanen, Kennzeichnungen für vertrauliche Inhalte einfügen und Zugriffsrechte definieren.

Auch Schulungsunterlagen sind relevant. Trainingsmaterialien enthalten häufig tiefere Einblicke in Maschinenfunktionen als normale Handbücher. Ein Beispiel: Ein Workshop-Handout für Servicetechniker beschreibt den Update-Prozess einer Steuerung und die damit verbundenen Sicherheitsparameter. Ohne klare Trennung zwischen internem und öffentlichem Material würde ein unbefugter Dritter genau diese Sicherheitsinformationen erhalten. Redaktionen müssen daher überlegen, welche Teile der Schulungsunterlagen geschützt werden müssen und wie sie verteilt werden.

Nicht zuletzt sind Online-Hilfen, Portale oder digitale Handbücher ein entscheidender Berührungspunkt. Sie werden zunehmend über das Internet bereitgestellt, manchmal sogar direkt auf Maschinen oder über Remote-Zugriffe verfügbar. Hier reicht es nicht, Inhalte nur inhaltlich zu prüfen – sie müssen auch technisch abgesichert sein. Redaktionen spielen hier die Rolle der Informationsdesigner:

Sie definieren die Struktur, die Klassifizierung der Inhalte und stellen sicher, dass sensible Abschnitte nur über gesicherte Kanäle verfügbar sind.

Ein praktisches Beispiel: Eine Anleitung beschreibt den Reset einer Steuerung. In der Version für Servicetechniker ist der Netzwerkzugang enthalten. Würde diese Datei als PDF frei verfügbar im Internet liegen, könnte jemand von außen die Maschine angreifen. Redaktionen müssen deshalb Trennlinien ziehen, die Inhalte in Zielgruppen aufteilen und Zugriffsrechte sauber dokumentieren. Gleichzeitig müssen die Anleitungen so gestaltet sein, dass Servicetechniker weiterhin effizient arbeiten können – ein Balanceakt zwischen Sicherheit und Praxis.

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Cyber Resilience Act – der regulatorische Rahmen

Im Blick auf den regulatorischen Rahmen müssen wir hier natürlich noch den Cyber Resilience Act (CRA) erwähnen.

Der CRA ist eine EU-Verordnung, die Hersteller digitaler Produkte verpflichtet, grundlegende Sicherheitsanforderungen entlang des gesamten Produktlebenszyklus zu erfüllen – also auch im Maschinenbau. Dabei geht es nicht nur um die technische Absicherung der Maschine selbst, sondern auch um die Dokumentation von Sicherheitsmaßnahmen.

Für die Redaktion relevant sind vor allem folgende Punkte:

  1. Informationssicherheit: Alle Sicherheitsinformationen müssen korrekt, nachvollziehbar und nur für die richtigen Zielgruppen verfügbar sein.
  2. Lebenszyklusmanagement: Dokumentation muss aktualisiert werden, sobald Sicherheitslücken, Updates oder Änderungen auftreten.
  3. Verantwortlichkeiten: Hersteller müssen nachweisen können, dass Inhalte geprüft und freigegeben wurden – hier kommt die Redaktion direkt ins Spiel.
  4. Transparenz & Nachvollziehbarkeit: Jede Änderung in der Dokumentation muss nachvollziehbar sein, inklusive Versionierung und Freigabeprotokoll.

Kurz: Wer den CRA erfüllt, schützt nicht nur die Maschinen, sondern zeigt auch, dass die Dokumentation Teil eines sicheren digitalen Ökosystems ist.

Die neue Rolle der Technischen Redaktion

Mit den Anforderungen von Cybersecurity und dem Cyber Resilience Act verändert sich die Rolle der Technischen Redaktion erheblich. Früher lag der Fokus vor allem darauf, Maschinen verständlich zu erklären: Wie wird sie bedient?

Welche Wartungsschritte sind nötig? Welche Sicherheitshinweise muss der Anwender kennen? Heute kommen zusätzliche Dimensionen hinzu: Informationssicherheit, digitale Verantwortung und regulatorische Nachvollziehbarkeit.

Konkret bedeutet das:

  • Klassifizierung von Informationen: Redaktionen müssen Inhalte nach ihrer Sensibilität einteilen – öffentlich, intern oder Service-only. Betriebsanleitungen, Servicehandbücher und Online-Hilfen werden so strukturiert, dass nur die richtigen Personen auf kritische Informationen zugreifen können.
  • Sicherheitsrelevante Inhalte kennzeichnen: Bestimmte Details – Passwörter, Netzwerkkonfigurationen, Reset-Anleitungen oder Steuerparameter – dürfen nicht in frei zugänglichen Dokumenten stehen. Die Redaktion sorgt dafür, dass solche Inhalte korrekt gekennzeichnet, geschützt oder in separaten, gesicherten Dokumenten verfügbar sind.
  • Abstimmung mit IT und Entwicklung: Die Technische Redaktion arbeitet eng mit IT-Teams, Entwicklern und Serviceabteilungen zusammen, um Inhalte zu prüfen und Risiken zu minimieren. Beispielsweise muss eine Anleitung zur Maschinenkonfiguration sowohl korrekt für den Servicetechniker sein als auch Sicherheitsvorgaben einhalten.
  • Versions- und Zugriffskontrolle: Jede Änderung wird nachvollziehbar dokumentiert. Wer hat Inhalte erstellt, freigegeben oder verändert? Welche Version ist aktuell? Diese Protokolle sind nicht nur hilfreich für interne Prozesse, sondern auch essenziell, um CRA-konforme Nachweise zu erbringen.
  • Proaktive Risikoabschätzung: Die Redaktion wird damit zum aktiven Partner im Sicherheitsprozess. Es reicht nicht mehr, Inhalte fehlerfrei und verständlich zu schreiben. Technische Redakteure überlegen vorausschauend: Welche Informationen könnten in falschen Händen gefährlich sein? Welche Details müssen geschützt werden, ohne die Benutzerfreundlichkeit zu verlieren?

Diese Veränderungen bedeuten auch einen Paradigmenwechsel im Rollenverständnis:

  • Redaktionen sind nicht mehr nur „Texter“ – sie werden zu Informationsarchitekten, Risikomanager und Compliance-Partnern
  • Ihre Arbeit ist nicht nur für den Anwender relevant, sondern strategisch für die Sicherheit des Produkts und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.
  • Wer diese Rolle früh annimmt, schafft nicht nur mehr Wertschätzung innerhalb des Unternehmens, sondern wird auch unverzichtbar für zukünftige digitale Prozesse, wie etwa den digitalen Produktpass, Remote-Service oder die KI-gestützte Wartungsunterstützung.

Cybersecurity und der CRA zeigen klar, dass Dokumentation mehr ist als Text. Sie ist ein integraler Bestandteil der Produkt- und Informationssicherheit. Die Technische Redaktion ist damit ein aktiver Mitgestalter der digitalen Sicherheitsarchitektur – und nicht länger nur Beobachter oder Umsetzer.

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Chancen für die Technische Redaktion

Was zunächst nach zusätzlichen Aufgaben klingt, eröffnet gleichzeitig große Chancen:

  1. Strategische Sichtbarkeit: Redaktionen werden zum zentralen Bindeglied zwischen IT, Service und Entwicklung.
  2. Messbarer Mehrwert: Saubere Metadaten, Klassifizierung und strukturierte Inhalte zeigen direkt den Beitrag zur Cybersecurity.
  3. Automatisierungspotenzial: Maschinell lesbare Inhalte können in Serviceportale, digitale Zwillinge und den digitalen Produktpass eingespeist werden.
  4. Compliance & Auditfähigkeit: Mit CRA und interner Qualitätskontrolle wird Dokumentation überprüfbar und auditierbar – Redaktionen sichern damit den Nachweis über Sicherheitsmaßnahmen.

Redaktionen, die jetzt Metadaten konsequent pflegen und Inhalte nach Zugriffsrechten trennen, gestalten die digitale Sicherheitskultur aktiv mit.

Fazit

Cybersecurity betrifft längst nicht nur IT-Systeme – jede Information, die in Handbüchern, Wartungsanleitungen oder Online-Hilfen steht, ist potenziell kritisch.

Der Cyber Resilience Act macht dies noch deutlicher: Hersteller müssen nachweisen, dass digitale Produkte sicher sind und dass die Informationsflüsse korrekt dokumentiert, geprüft und freigegeben wurden.

Wer jetzt beginnt, Inhalte zu klassifizieren, Metadaten konsequent zu pflegen und Zugriffsrechte sauber zu steuern, schafft nicht nur Compliance, sondern auch strategische Sichtbarkeit und Relevanz. Cybersecurity beginnt heute – in der Redaktion, bei den Informationen, die wir erstellen.

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