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Voraussetzungen für die Risikobeurteilung – Erste Schritte bei der Risikobeurteilung im Maschinenbau

Welche Voraussetzungen müssen für die Risikobeurteilung erfüllt sein? Welche wichtigen Informationen brauchen Hersteller zum Beispiel vor der Durchführung einer Risikobeurteilung? Eins ist sicher: Der Weg zu einer rechtmäßigen Risikobeurteilung und der daraus resultierenden CE-Kennzeichnung ist lang und es braucht eine Fülle von Informationen zu dem jeweiligen Produkt.

Voraussetzungen für die Risikobeurteilung im Maschinenbau

Ein wesentlicher Teil der Risikoanalyse im Maschinenbau nimmt die Beschreibung der Grenzen einer Maschine ein. Diese Funktionsbeschreibung beinhaltet Angaben darüber, welchen Zweck das Produkt erfüllen soll. Zudem werden Information zu räumliche und zeitliche Abgrenzungen gegeben, beispielsweise wie groß der Platzbedarf einer Maschine ist.

Um vor der Risikobeurteilung an alle benötigten Informationen zu kommen, bieten sich viele Quellen an: Neben dem Pflichtenheft – manchmal als Lastenheft bezeichnet – bei dem sowohl der Verwendungszweck der Maschine als auch Einschränkungen bei der Verwendung herausgefunden werden können, sind auch:

  • die Technischen Daten der Maschine
  • die Sicherheitsanforderungen von Kunden, Behörden oder Berufsgenossenschaften
  • Vergleichsmöglichkeiten durch ähnliche Produkte oder frühere Risikobeurteilungen
  • Zeichnungen, Schaltpläne, Fotos
  • Dokumente wie Angebote oder der Aufträge, die Angaben zu den finanziellen und technischen Grenzen des Produktes enthalten

wichtige Informationsquellen, die im Vorfeld zu Rate gezogen werden können. Diese gesammelten Informationen sollten für zukünftige Risikobeurteilungen nicht verworfen, sondern in einer Wissensdatenbank abgespeichert werden. Diese nützlichen Informationen können dann für ähnliche Produkte wiederverwertet werden.

Die gesammelten Daten werden dann für alle Mitglieder aufbereitet, die an dieser Risikobeurteilung beteiligt sind. Bei einem größeren Team braucht es hierfür einen Projektleiter, der die wichtigsten Infos bündelt und weitergibt.

Zielgruppenanalyse: An wen richtet sich das Produkt?

Nicht unerheblich ist die Zielgruppe, die das Produkt verwenden soll. Um einen sicheren Betrieb der Maschine zu gewährleisten, muss auch bewusst sein, wer die Maschine betreibt: Welche Qualifikation hat die Zielgruppe, können in der Betriebsanleitung Fachbegriffe verwendet werden? Falls nicht, ist jeder verwendete Fachbegriff in der Betriebsanleitung genauestens zu definieren. Neben den eigentlichen Benutzern ist aber auch das Service- oder Wartungspersonal zu berücksichtigen.

Welches Ausbildungsniveau die Anwender besitzen müssen spielt hierbei eine ebenso große Rolle. Sollte eine Einweisung ohne andere Vorkenntnisse nicht ausreichen, muss in der Beschreibung der Anwender dazu informiert werden.

Zielgruppenanalyse: Länderspezifische Unterschiede berücksichtigen

Vor allem wenn es zu länderspezifischen Unterschieden kommt, stellt das eine Herausforderung dar. In Deutschland wird großes Vorwissen durch Ausbildung und Weiterbildung vorausgesetzt, doch in den USA zeichnet sich ein anderes Bild ab. Nur wenige Arbeitnehmer sind hier gut angelernt – noch seltener vorzufinden ist eine Jahrzehntelange Erfahrung des Arbeitnehmers bei der Bedienung von Maschinen.

Es lohnt sich hier also nicht zu spekulieren, die Zielgruppenanalyse muss in die Tiefe gehen und genauere Informationen zutage fördern. So zum Beispiel auch zu möglichen körperlichen oder geistigen Einschränkungen der Benutzer und der Frage, ob das Produkt von älteren Menschen, Kindern oder Personen mit Behinderungen benutzt werden darf.

Normenrecherche im Maschinenbau - Grundlage für die Konformitätserklärung

Normen zu recherchieren ist auch ein Bestandteil der vorbereitenden Maßnahmen, die vor einer Risikobeurteilung erledigt werden wollen. Diese Recherche bildet die Grundlage für die Konformitätserklärung und ist wichtiger Prozess auf dem Weg zur CE-Kennzeichnung.

Für die Normenrecherche gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die kostengünstigste und vermutlich auch schnellste ist die Internetrecherche. Normeninstitute wie DIN und VDE für Deutschland, das AS Institute für Österreich oder die SNV für die Schweiz sind mögliche Quellen, schnelle Recherchen voranzutreiben.

Der Zugriff auf ein Normenrecherchesystem bietet eine weitere Möglichkeit, an die richtigen Informationen zu gelangen. So eine Datenbank fasst die Daten verschiedener europäischer und internationaler Normeninstitute zusammen – ideal für schnelle sowie gezielte Suchen, welche jedoch kostenpflichtig sind.

Eine dritte Möglichkeit bietet sich dann noch im Beziehen eines Dienstleisters, der die Normenrecherche unterstützt.

Der Unterschied zwischen Typ A-, B- und C-Normen

Normen und Richtlinien gibt es wie weiter oben beschrieben nicht nur für spezielle Nutzergruppen. Auch für das Produkt selber gibt es zahlreiche relevante Normen. Diese sind in A-, B- und C-Normen aufgeteilt.

Risikobeurteilung Normenrecherche Typ-A Typ-B Typ-C Normen

Typ-C-Normen im Maschinenbau

Bei den Typ C Normen, wo detaillierte Sicherheitsanforderungen für bestimmte Maschinen oder Gruppen von Maschinen enthalten sind, beginnt zumeist die Normenrecherche.

Beispiel: Die C-Norm DIN EN 12717 enthält Hinweise zu Bohrmaschinen, deren Sicherheitsanforderung und Schutzmaßnahmen. Außerdem schreibt die Norm vor, welche spezifischen Angaben in der Betriebsanleitung gemacht werden müssen – bei der Bohrmaschine ist es zum Beispiel die Geräuschangabe, die auf jeden Fall vermerkt sein muss.

Die C-Normen sind gegenüber den A- und B-Normen exakter, da andere Maschinentypen außen vor sind und dadurch Risiken und Maßnahmen zur Risikominderung genauer bestimmt werden können. Dementsprechend stehen diese Typ-C-Normen über andere Grundnormen aus Typ-A und Typ-B. Widersprechen sich Anforderungen und Maßnahmen, gelten demnach die aus der Typ-C-Norm.

Typ-B-Normen im Maschinenbau

In den Typ B Normen sind allgemeine Angaben darüber festgehalten, welche Sicherheitsaspekte oder Schutzeinrichtungen bei Maschinen genutzt werden können.

Beispiel: Die B-Norm DIN EN ISO 14118 „Sicherheit von Maschinen – Vermeiden von unerwartetem Anlauf“ beschreibt konstruktive Maßnahmen, die ein unerwartetes Anlaufen einer Maschine verhindern.

Die Typ-B-Normen sollen einen sicheren Eingriff von Personen in Gefahrbereichen gewährleisten.

Typ-A-Normen im Maschinenbau

Die Typ A Normen beschreiben Gestaltungsleitsätze und allgemeine Sicherheitsaspekte, die einem Produkt vorgegeben sind. Zudem enthalten diese Normen eine Anleitung zu einer korrekten Risikoanalyse.

Beispiel: Die A-Norm DIN EN ISO 12100 „Sicherheit von Maschinen“ und dessen Gestaltungsleitsätze und Grundbegriffe sind für alle Maschinen gültig.

Solche Normen sollen Gefahren noch vor der Konstruktion einer Maschine identifizieren und die Sicherheit mittels der damit ermöglichten genaueren Risikoanalyse erhöhen.

Vor allem hinsichtlich der CE-Kennzeichnung ist eine ausführliche Normenrecherche angebracht. Die dafür erforderliche Konformitätserklärung kann nur durch das Zusammenspiel harmonisierender Normen ausgestellt werden. Sie stellt nichts anderes klar, als dass das Produkt mit den Anforderungen der Norm übereinstimmt – sie ist „konform“ mit den Normen.

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