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NORMENRECHERCHE

STRUKTUR VON NORMEN UND RICHTLINIEN

Die Technische Dokumentation muss sich mit einer Vielzahl von Normen und Richtlinien beschäftigen. Bei der Erstellung von der Technischen Dokumentation ist die Normenrecherche ein wichtiger Bestandteil. Welche rechtlichen und normativen Aspekte im Maschinen- und Anlagenbau wichtig sind, kann schnell für Unsicherheiten sorgen. Die passende Norm zu finden, sie zu verstehen und korrekt anzuwenden, überfordert nicht nur manchen Berufseinsteiger in der Technischen Dokumentation.

Technische Redakteure beschäftigen sich täglich mit einer Vielzahl von Normen und Richtlinien. Die Gesetz- und Normenlandschaft ist ständig in Bewegung. Die für die Technische Dokumentation wichtigen Richtlinien können sich aufgrund etwaiger Umstände stetig verändern. Werden Änderungen in Gesetzen und Normen nicht beachtet, kann es dazu kommen, dass die Technische Dokumentation nicht mehr dem Stand der Technik entspricht und somit auch das Produkt als fehlerhaft angesehen werden kann. Dann muss mit Maßnahmen wie Bußgeldern seitens der Marktaufsichtsbehörden gerechnet werden. Entsprechend wichtig ist die Normenrecherche bei der Erstellung der Technischen Dokumentation. Es gilt die Vielzahl an NormenRichtlinien, Gesetze und Verordnungen zu beachten. Hierfür sollte man erst noch beachten, wofür man Normen und Richtlinien benötigt.

Normen und Richtlinien sollen auf den Ergebnissen von Wissenschaft, Technik und Erfahrung basieren. Normen haben das Ziel, die Eignung von Produkten, Prozessen und Dienstleistungen für ihren geplanten Zweck zu verbessern. Auch fördern Normen den Austausch von Waren und Dienstleistungen. Ebenso erleichtern Normen die technische und kommunikative Zusammenarbeit.

Doch wie behält man den Überblick in dem Normen– und Gesetzeschaos? Oder was ist der Unterschied zwischen einer Richtlinie und einer Verordnung?

Unterscheidungen von Richtlinien, Verordnungen und Normen

Richtlinien legen Handlungs- oder Ausführungsvorschriften fest. Richtlinien haben einen bestimmten Geltungsbereich je nach Anwendungsfall und legen für bestimmte Produkte grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen fest. Eine EU-Richtlinie wird unter Beteiligung der EU-Mitgliedsländer erarbeitet und muss von den europäischen Mitgliedsländern innerhalb einer vorgegebenen Frist in nationales Recht umgesetzt werden. Es besteht bei der Umsetzung ein gewisser Spielraum, da es den einzelnen Mitgliedstaaten überlassen bleibt, wie sie die Richtlinien umsetzen. Ein Beispiel für eine Richtlinie, die alle Mitgliedsstaaten übernehmen müssen ist die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG.

Im Unterschied dazu ist eine EU-Verordnung ein verbindlicher Rechtsakt, der zum Zeitpunkt ihrer Verkündung automatisch zum Bestandteil der nationalen Rechtsordnung einhergeht. Alle EU-Länder sind verpflichtet, eine EU-Verordnung in ihrem vollen Umfang unverzüglich umzusetzen. So ist beispielsweise die am 25. Mai 2017 geänderte Medizinprodukte-Verordnung 2017/745 unmittelbar in den Mitgliedstaaten rechtlich in Kraft getreten.

Normen finden von internationaler bis hin zur nationalen Ebene Anwendung. Die Internationale Organisation für Normung (ISO) verabschieden internationale Normen. Die ISO Normen dienen zur weltweiten Vereinheitlichung technischer Regeln und sollen damit den Warenaustausch vereinfachen. Die Kennzeichnung dieser Normen tragen die Kurzbezeichnung ISO. So spezifiziert beispielsweise die ISO 21482 einen Warnhinweis für gefährliche radioaktive Stoffe.

Auf europäischer Ebene sind das Europäische Komitee für Normung (CEN), Europäisches Komitee für elektrotechnische Normung (CENELEC) und Europäisches Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) für die Ratifizierung von Normenzuständig. Die von diesen Organisationen verabschiedeten Normen tragen die Kennzeichnung EN. Grundsätzlich sollen vorhandene ISO-Normen so weit wie möglich als EN-Normen unverändert übernommen werden.

In Deutschland ist das Deutsche Institut für Normung (DIN) die bekannteste Stelle, welche für die Durchführung und Organisation der Normungsarbeit auf nationaler Ebene zuständig ist. Sie beschäftigt sich mit der Formulierung, Herausgabe und Anwendung von Regeln, Leitlinien oder Merkmalen. Neben national erlassenen Normen übernimmt die Organisation auch internationale und europäische Normen. Die national übernommenen oder geschaffenen Normen erkennt man an der Bezeichnung DIN im Namen der Norm. So ist die DIN 51524 eine Norm, die nähere Spezifikationen für Hydrauliköle festlegt. In Deutschland gibt es weitere Organisationen wie den Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE), die ebenfalls Normen verabschieden.

Wie kommt eine Bezeichnung wie DIN EN ISO 12100 zustande? Die entstandenen Europäischen Normen müssen in das nationale Normenwerk des jeweiligen Mitgliedstaates übernommen werden. Die Übernahme von internationalen Normen in nationale Normen ist dahingegen nicht verpflichtend. Sollte aber eine Übernahme erfolgen, darf diese nur als vollständige und identische Übernahme der internationalen Norm erfolgen. Da die europäische Normung EN grundsätzlich die internationalen Normen ISO übernehmen, ist auch die Übernahme in der nationalen Normung DIN verpflichtend.

Wie entstehen Produktrichtlinien und Normen?

Normen entstehen nach festgelegten Grundsätzen, Verfahrens- und Gestaltungsregeln und sind das Ergebnis nationaler, europäischer oder internationaler Normungsarbeit. Verbraucher, Hersteller, Händler, Behörden oder Prüfinstitute beteiligen sich an der Normenerstellung. In Normenausschüssen, die nach Fachgebieten organisiert sind, verständigen sich die Experten unter Berücksichtigung des Standes der Technik auf eine gemeinsame Version der Inhalte einer Norm.

Normen werden immer wieder auf ihre Aktualität überprüft. Entspricht eine Norm nicht mehr dem Stand der Technik, so wird ihr Inhalt überarbeitet oder die Norm zurückgezogen. So stehen beispielsweise DIN-Normen spätestens alle fünf Jahre auf dem Prüfstand.

Bei der DIN kann jeder formlos einen schriftlichen Normungsantrag für nationale Normen stellen. Der zuständige Ausschuss klärt mit den Fachkreisen, ob Bedarf für das eingereichte Thema besteht, das Projekt zu finanzieren ist und ob die Bearbeitung auf nationaler, europäischer oder internationaler Ebene erfolgen soll. Wenn im Ausschuss die Entscheidung zugunsten der Erarbeitung einer nationalen Norm fällt, muss nur noch das zuständige Lenkungsgremium zustimmen. Dann erarbeitet der Ausschuss ein Norm-Entwurf und stellt diesen der Öffentlichkeit im Anschluss durch den Beuth Verlag bereit. Im Norm-Entwurfs-Portal von der DIN kann die Norm kostenlos zur Stellungnahme eingesehen werden. Die Experten im Ausschuss beraten die Stellungnahmen und einigen sich über den Inhalt der geplanten Norm. Anschließend wird die Norm veröffentlicht.

Ablauf einer Normenrecherche

Bei der Recherche für Richtlinien und Normen für die Technische Dokumentation sollte man sich folgende Fragen stellen:

  • Fällt mein Produkt unter eine oder mehrere Richtlinien?
  • Welche harmonisierten Normen treffen auf mein Produkt zu?
  • Wo kann man nach Normen recherchieren?
  • Welche Anforderungen aus den Richtlinien sind für mein Produkt relevant?
  • Inwiefern sind die Forderungen aus den Normen anwendbar?

Jedes Produkt unterliegt gewissen Richtlinien abhängig von seiner Funktion. Aus dem Verwendungszweck des Produktes lässt sich abschätzen, welche Richtlinien man prüfen muss. Gängige Richtlinien sind zum Beispiel:

  • Maschinenrichtlinie (2006/42/EG)
  • Niederspannungsrichtlinie (2014/35/EU)
  • EMV-Richtlinie, elektromagnetische Verträglichkeit (2014/30/EU)
  • Druckgeräterichtlinie (2014/68/EU)

Zu den passenden Richtlinien recherchiert man anschließend harmonisierte Normen, die zum Produkt passen. Wendet man auf ein Produkt eine harmonisierte Norm an, gilt die Vermutung dass das Produkt mit den wesentlichen Anforderungen der Norm übereinstimmt. Das Produkt gilt dann als „konform“ mit den Normen. Dies ist eine Grundlage für die Konformitätserklärung, welche für die Anbringung des CE-Kennzeichens benötigt wird. Die harmonisierten Normen kann man in drei Gruppen aufteilen: Den A-, B- und C-Normen.

  • Typ A-Normen sind Sicherheitsgrundnormen
  • Typ B-Normen sind Sicherheitsfachgrundnormen
  • Typ C-Normen sind Maschinensicherheitsnormen

Normen des Typ A enthalten grundlegende Gestaltungsleitsätze und allgemeinen Sicherheitsaspekte für ganze Produktkategorien. Beispiel für eine Typ-A-Norm ist die EN ISO 12100 „Sicherheit von Maschinen – Allgemeine Gestaltungsgrundsätze – Risikobeurteilung und Risikominderung“.

Typ-B-Normen verweisen auf näher definierte Beschreibungen zu Sicherheitsmaßnahmen. So beschreibt beispielsweise die EN 1037 allgemeine Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von unerwartetem Anlauf von Maschinen.

Sicherheitsanforderungen für einen bestimmten Typ von Maschine beschreiben die Normen der C Kategorie. Als Beispiel ist die EN 12717 zu nennen, welche die Sicherheit von Werkzeugmaschinen, im speziellen die von Bohrmaschinen, behandelt.

Um die Sicherheit des Produktes weiter zu erhöhen, können weitere nationale und internationale Normen in die Recherche eingebunden werden. In bestimmten Bereichen stellen diese nicht harmonisierten Normen höhere Anforderungen an die Produktsicherheit.

Die richtige Informationsquelle für die Normenrecherche ist ebenfalls wichtig. Eine einfache Suchmöglichkeit nach Normenbietet der Beuth-Verlag auf seiner Internetseite. Weitere Möglichkeiten zur Normensuche finden sich auch auf den Internetseiten der Europäischen Normungsorganisation CEN und der internationalen Normungsorganisation ISO.

Die Verantwortlichen im Maschinen- und Anlagenbau müssen im Unternehmen klären, welche Anforderungen aus den Richtlinien relevant sind. Ebenso inwiefern die Forderungen aus den Normen auf das Produkt anwendbar sind. Anschließend geht es um die Umsetzung der in den Normen gestellten Anforderungen in der Konstruktion und der Technischen Dokumentation.

Normenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der Technischen Redaktion. Die passende Norm zu finden, sie zu verstehen und korrekt anzuwenden, überfordert nicht nur manchen Berufseinsteiger.

Profitieren Sie von unserem technischen Know-how und der langjährigen Erfahrung in der Technischen Dokumentation. Unser Team unterstützt Sie in der Recherche aller relevanten Normen und Richtlinien, um eine Basis für eine vollständige und korrekte Betriebsanleitung zu schaffen.

NORMENRECHERCHE: NEUE NORMEN

Welche rechtlichen und normative Aspekte im Maschinen- und Anlagenbau wichtig sind, kann schnell für Unsicherheiten sorgen: Gibt es einen Unterschied zwischen europäischen Richtlinien, Gesetzen und Normen? Anders gefragt, müssen alle Regelwerke berücksichtigt werden oder enthalten bestimmte Regelwerke die anderen? Muss ich Normen überhaupt anwenden? Wie finde ich die Regelwerke, die für meine Technische Dokumentation relevant sind?

NORMENRECHERCHE: ÜBERPRÜFUNG AUF AKTUALITÄT

Die Gesetz- und Normenlandschaft ist ständig in Bewegung. Die für Ihre Technische Dokumentation wichtigen Richtlinien könnten sich aufgrund etwaiger Umstände verändert haben. Wir helfen gerne dabei, die Aktualität Ihrer angewendeten Normen zu überprüfen. Dies können wir sowohl einmalig wie auch in einem regelmäßigen Turnus (z.B. jährlich) für Sie übernehmen.

NORMENRECHERCHE: RICHTLINIEN FÜR DIE USA

Es gibt in den USA kein einheitliches Produkthaftungsrecht, die jeweiligen Produkthaftungsansprüche werden einzelstaatlich geregelt. Die 50 US-Bundesstaaten haben jeweils Ihr eigenes, unabhängiges politisches System mit einer eigenen Verfassung und mit eigenen Haftungsnormen. Die Gesetze sind von Staat zu Staat verschieden und ändern sich laufend, wenn neue Präzedenzfälle entschieden werden. Demgegenüber gibt es einige allgemeingültige Grundsätze und Behörden.

Den Nachweis der Konformität für eingeführte Produkte erhält man von einer anerkannten Prüfstelle, den National Recognized Testing Laboratory (NRTL), und wird durch das Aufbringen des UL-Prüfzeichens auf dem Produkt belegt. Zudem ist die UL (Underwriters Laboratories) für das Produkt notwendig. Die UL ist eine unabhängige Organisation, die Produkte hinsichtlich ihrer Sicherheit kostenpflichtig untersucht und zertifiziert.

NORMENRECHERCHE: RICHTLINIEN FÜR CHINA

Für die Einfuhr von technischen Produkten in die Volksrepublik China besteht eine Zertifizierungspflicht durch eine nationale Prüfstelle. Im Rahmen der Zertifizierung werden Produkttests und Werksaudits durchgeführt. Infolge wird die CCC-Zertifizierung (China Compulsory Certification) vergeben. Die Zertifizierung gilt sowohl für Importierte als auch für chinesische Produkte und stellt sicher dass die Konformität der Produkte mit chinesischen Normen erfüllt ist. Die zertifizierungspflichtigen Produkte dürfen erst nach China importiert, in China verkauft und in Geschäftsaktivitäten in China verwendet werden, nachdem eine CCC-Zertifizierung des Produktes beantragt und erteilt wurde. Trotzdem muss jährlich das CCC-Zertifikat und die Markierungsgenehmigung im Zuge einer Follow-Up-Zertifizierung bzw. Rezertifizierung verlängert werden.

NORMENRECHERCHE: RICHTLINIEN FÜR RUSSLAND

Wer seine Erzeugnisse in die Eurasische Zoll- und Wirtschaftsunion (EAWU) von Russland, Belarus, Kasachstan, Armenien, Kirgisistan oder in andere Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS-Staaten) ausführen möchte, muss einige Richtlinien einhalten.

Das TR-Zertifikat (Technische Reglements) regelt die Sicherheitsanforderungen und die Konformitätsbewertung für Maschinen. Demgemäß ist für die Beantragung eines TR-Zertifikates bzw. einer TR-Deklaration eine Reihe von Dokumenten nötig. Vorausgesetzt wird für die Zertifizierung eine Reihe ähnlich durchgeführter Prüfungen wie für die CE-Kennzeichnung.

Seitdem diese Regelung in Kraft ist, werden bei Produkten mit durchgeführten Konformitätsbewertung das neue Marktzugangszeichen EAC angebracht. Die Einfuhr von Produkten in die Eurasische Union und deren Vertrieb sind ohne EAC-Markierung verboten.

Seit Ende September 2010 ist das Technische Reglement über die Sicherheit von Maschinen in Kraft. Das Gesetz regelt ähnlich wie die Europäische Maschinenrichtlinie die Sicherheitsanforderungen und die Konformitätsbewertung für Maschinen. Diese und andere Initiativen der russischen Legislative zeigen, dass die Ansprüche an die Technische Dokumentation und die Sicherheit von Produkten deutlich ansteigen.

GOST (Gossudarstwenny Standart) bezeichnet die russischen staatlich-technischen Normen, die für alle Bereiche gelten. (Die neuen GOST-Standards: http://www.gost.ru/wps/portal/pages.en.Notifications)

OST heißen russische Fachstandards beziehungsweise technische Normen, die nur in einzelnen Bereichen gelten und in manchen Fällen von GOST abweichen. Die ersten OST Standards ergaben die Vorgaben an Eisen und Buntmetallen, ausgewählte Sorten von Weizen, und eine Anzahl von Konsumgütern.
Die internationalen und europäischen Normen IEC- oder EN-Normen dürfen in Russland auch angewendet werden, gelten aber nicht als offiziell übernommene nationale Normen, dazu benötigt es einen Abgleich mit den entsprechenden EN- und ISO-Normen.
Das Interesse der russischen Regierung an der vereinfachten Anwendung internationaler und europäischer Normen ist groß, da sich hierin der weltweite Stand der Technik widerspiegelt.

Sie benötigen Hilfe bei der Normenrecherche und den Richtlinien? Rufen Sie einfach an oder schreiben Sie uns eine E-Mail:

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